1994/95
Haupthaus

Hedda Gabler
von Henrik Ibsen
(Deutsch von Egon Gerlach)

Premiere 25. Februar 1995

Dr. Jörg Tesman: Toni Böhm
Hedda: Birgit Doll
Fräulein Juliane: Tesman Hilde Sochor
Frau Elvsted: Franziska Sztavjanik
Assessor Brack: Johannes Terne
Eilert Lövborg: Jacques Breuer
Berta: Brigitte Antonius

Inszenierung: Walter Schmidinger
Bühne: Annette Breuer
Kostüme: Beatrice von Bomhard

Die Generalstochter Hedda Gabler glaubt in der Schönheit das Leben zu finden und sucht doch darin nur den Tod. Gefangen in der Vorstellungswelt des militaristischen Vaters, das Leben sei Kampf und nur durch stete Waffenübung zu bestehen, kann sie sich nicht zu einem Dasein in Selbstverwirklichung und Verantwortung für andere befreien. Zu allen Männern, auf die sie trifft, unterhält sie Zweckbeziehungen: Ehemann, Hausfreund, Liebhaber – alles Soldaten in ihrem Krieg gegen sich selbst. Der freilich wurde ihr aufgezwungen: von ebenjener Gesellschaft, der sie nicht als selbstbestimmte Person, sondern als Erfüllungsgehilfin patriarchalischer Gedanken dienen soll.
So ist sie Opfer der Macht, die sie über andere ausüben will. Den Mut, den sie beständig von anderen fordert, um das „schöne Leben“ zu erfahren, vermag sie selbst zur Überwindung ihrer Leere und Lethargie nicht aufzubringen. Die dadurch erfahrene Ohnmacht kehrt sich in lebensfeindliche Destruktion.
In dem 1890 entstandenen Schauspiel, einem seiner Spätwerke, enthüllt Ibsen noch einmal in lakonischer Erbarmungslosigkeit den todesverliebten Ästhetizismus einer Gesellschaft, die so sehr vom Kult der Eigenliebe und Selbstbespiegelung beherrscht ist, daß ihr jeglicher Sinn für das Gemeinsame, für Wahrhaftigkeit und Lebenssubstanz abhanden gekommen ist. „Das Leben“, notiert Ibsen in seinem Tagebuch, „geht für Hedda in einer Lächerlichkeit auf, die es nicht wert ist, sie bis zu Ende mit anzusehen.“

 
Pressestimmen

Walter Schmidingers Inszenierung nimmt sich die Zeit, den Verästelungen in- wie auswendigen Geschehens nachzuspüren. Empfindungen werden mit äußerster Präzision getroffen, Vorkommnisse mit innerlichster Begründung dargeboten.
Kurier

Ein Drama von zeitloser Aktualität. Ein großer Abend – und ein Beweis, daß das klassische, das realistische Theater noch lange nicht verbraucht und ausgelaugt ist.
Wiener Zeitung

Walter Schidinger ist rein gar nichts eingefallen. Und so torkeln, staksen, stehen bemühte Darsteller um eine gähnend leere Mitte herum. Vergebene Liebesmüh.
Der Standard

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